[Rezension] Ole Nymoen - Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde - Über das Verhältnis Staat-Bevölkerung

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[Review] Ole Nymoen - Why I would never Fight for my Country - On the Relationship between State and Population

Ole Nymoen ist Journalist und Autor. Nymoen veröffentlicht unter anderem bei Jacobin und Wohlstand für Alle. Sein Buch "Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde - Gegen die Kriegstüchtigkeit" erschien im Anschluss an einen Artikel in der Zeit in 2025. Der Ausgangspunkt des Buches ist die Debatte um die Wiederaufrüstung und Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland.

Nymoen kritisiert dass eine Kriegstüchtigkeeit anstatt nur einer Verteidigungsfähigkeit propagiert wird. Für ihn stimmen die Sicherheits- und Verteidigungsinteressen eines Staates nicht notwendigerweise mit den Interessen der Bürger überein. Er stellt folglich die Bereitschaft der Bevölkerung und auch selbst das eigene Land zu verteidigen infrage. Das Buch ist in drei Teile gegeliedert. Im zweiten Teil erklärt Nymoen warum Krieg für Individuen sinnlos sei, basierend darauf was diese verlieren könnten. Und im dritten Teil geht Nymoen auf Leserbriefe und Kritik zu seinen Argumenten ein.

Rechtfertigungen

Nymoen lehnt Heimatliebe weder ab noch verurteilt er diese. Er stellt aber fest dass es für eine Landschaft egal ist, wer über ihre Bevölkerung regiert. Dazu kommt dass die Zusammensetzung eines Landes normalerweise nicht im Einverständnis mit der Bevölkerung stattfand und nicht notwendigerweise zur Bevölkerung passt, sondern ein Ergebnis von langfristiger Entwicklung ist. Deswegen kann die Bevölkerung einer Region auch mehr mit der Bevölkerung vom Nachbarland gemeinsam haben als mit der Bevölkerung einer anderen Region im gleichen Land. Dazu kommt dass sich das Individuum die Zugehörigkeit zu einer Nation zur Geburt ohnehin nicht ausgesucht hat. Außerdem lehnt Nymoen die Idee der Nation als Schicksalsgemeinschaft ab. Nach seiner Beurteilung ist die Bevölkerung in Arm und Reich, in Verlierer und Profiteure der herrschenden Ordnung geteilt. [1, p.77-82]

Nach Nymoen sind die Sicherheitsbedürfnisse eines Staates nicht dieselben Sicherheitsbedürfnisse der Bevölkerung. Regierung und die gesamte Bevölkerung existieren demnach nicht in einer Symbiose. Und Nymoen stellt deswegen infrage wie weit eine Regierung vom Autoritarismus entfernt ist, wenn diese eine solche Symbiose trotzdem annimmt. Entsprechend ist die Beschreibung dass ein Land ein anderes angreift falsch. Stattdessen müsste es heißen die Regierung eines Landes befiehlt oder zwingt die eigenen Soldaten Dinge zu tun im speziellen zu kämpfen. [1, p.83-89]

Moralische Diskreditierung der Gegenseite sowie Demokratie und freiheitliche Werte gehören zu den gängigen Mitteln der politischen Debatte. Während Nymoen den Konflikt seiner Position mit einer Bedrohung wie durch den Nationalsozialismus anerkannt, besteht er aber darauf wie außergewöhnlich eine solche Situation ist. Und eben dieser Vergleich wurde und wird zu oft verwendet, speziell dann wenn er nicht angemessen ist. Vor Vergleichen mit den Nationalsozialismus und vor Rechtfertigungen für Krieg mit Verweis auf den Nationalsozialismus warnt Nymoen deswegen. Entscheidungen zugunsten von Demokratie und freiheitlicher Werte beziehungsweise zugunsten von Demokratien oder freiheitlichen Staaten sind für Nymoen genauso vorgeschoben und nicht ernstzunehmen. Besonders deutlich wird dies, wenn eine Regierung sich bei Konflikten auf die Seite von Demokratien stellt und gleichzeitig Diktaturen unterstützt und auch mit Waffen beliefert. Für Nymoen ist dies ein klares Anzeichen dafür, dass gelogen wird. [1, p.90-96, 97-100]

Den Krieg ist nicht falsch, weil er verboten ist. Er ist falsch, weil er einige wenige Menschen über die Leichenberge anderer gehen können, um ihre Interessen durchzusetzen. [1, p.110]

Für Nymoen ist Krieg falsch wie mehrfach im Buch erklärt. Die Rechtfertigung von Krieg gegen Krieg der aber das Völkerrecht verletzt lehnt er ab. Nymoen lehnt es ab wenn sich Politiker auf das internationale Recht berufen, da er es als quasi moralische Berufungsinstanz ansieht. Es kommt hierbei darauf an wer das Völkerrecht missachtet, damit die Verletzung des Völkerrechts auch verurteilt wird. Deswegen kommt es dazu das Staaten wiederholt wegen Krieg gegen das Völkerrecht verstoßen dies aber nur bei anderen verurteilen. [1, p.101-110]

Kritik

Nymoen beschreibt Kritik an ihn, nach der er für die existierenden Freiheiten dankbar sein sollte. Diese Freiheit erlaube Nymoens Kritik und deswegen erübrige sich diese Kritik gleichzeitig. [1, p.116-120]

Wäre dieser Artikel unter russischer Fremdherrschaft geschrieben worden, hätte er mindestens 15 Jahre Lagerhaft für den Autor zur Konsequenz. So gesehen, wäre sie vielleicht sogar erstrebenswert. [1, p.116]

Implizit wird eine Regierung skizziert in der die von Nymoen vorgebrachte Form der Kritik nicht erlaubt ist. Fraglich ist wie sehr eine solche Regierung verteidigungswürdig ist, in der solch eine Kritik nicht erlaubt ist. Und da sowohl Regierungen mit als auch ohne diese Meinungsfreiheit ihre Bevölkerung im Ernstfall mobilisieren, lehnt Nymoen es ab für diese Freiheit zu kämpfen. [1, p.116-120]

[Rezension] Ole Nymoen - Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde - Über Meinungsmache zur Mobilisierung

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[1] Ole Nymoen - Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde - Gegen die Kriegstüchtigkeit - ISBN 978-3-499-01755-1
[2] Jacobin - Ole Nymoen
https://www.jacobin.de/autoren/ole-nymoen
[3] Wohlstand für Alle
https://www.youtube.com/channel/UCRprqV4FxwrWQJbZ0VLFS_g
[4] Ich, für Deutschland kämpfen? Never!
https://www.zeit.de/2024/32/wehrpflicht-deutschland-kaempfen-junge-menschen-bundeswehr

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