[Rezension] Ole Nymoen - Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde - Über Meinungsmache zur Mobilisierung
[Review] Ole Nymoen - Why I would never Fight for my Country - On Manipulation for Mobilization
Ole Nymoen ist Journalist und Autor. Nymoen veröffentlicht unter anderem bei Jacobin und Wohlstand für Alle. Sein Buch "Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde - Gegen die Kriegstüchtigkeit" erschien im Anschluss an einen Artikel in der Zeit in 2025. Der Ausgangspunkt des Buches ist die Debatte um die Wiederaufrüstung und Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland.
Nymoen kritisiert dass eine Kriegstüchtigkeeit anstatt nur einer Verteidigungsfähigkeit propagiert wird. Für ihn stimmen die Sicherheits- und Verteidigungsinteressen eines Staates nicht notwendigerweise mit den Interessen der Bürger überein. Er stellt folglich die Bereitschaft der Bevölkerung und auch selbst das eigene Land zu verteidigen infrage. Das Buch ist in drei Teile gegeliedert. Im ersten Teil liefert Nymoen Erklärungen und Gründe für Krieg aus Seiten von Regierungen, da diese ihre Macht erhalten können. Und im dritten Teil geht Nymoen auf Leserbriefe und Kritik zu seinen Argumenten ein.
Der Sinn des Krieges
Die Unterstützung für eine Wehrpflicht ist bei denen am größten die es altersbedingt nicht betrifft. Bei denen die eine Wehrpflicht betrifft ist die Unterstützung am geringsten. Nymoen zeigt den Kontrast der Zumutungen durch Regierungen der letzten Jahrzehnte (Agenda 2010, Erhöhung Mehrwertsteuer, niedriges Rentenniveau) und der plötzlichen Forderung nach Kriegsbereitschaft der aktuellen Regierungen. Es ist als ob die Regierung der Bevölkerung erst nichts zu bieten hat und dann auch noch fordert dass die Bevölkerung auch noch aufopfert. Nymoen wirft denen die die Zeitenwende in der Verteidigungspolitik propagieren und zu Geschlossenheit aufrufen vor die selben zu sein die gegen Arbeitslose hetzen und Menschen in die Armut treiben. Außerdem wird die Vereinnahmung der Bevölkerung durch die Regierung als Schicksalsgemeinschaft infrage gestellt. Trotz wachsender Ungleichheit und schrumpfender Fürsorge durch den Staat, soll sich die Bevölkerung als Staatsbürger mit Verantwortung für selbigen Staat einsetzen. [1, p.9-22, 25-30]
Nymoen bezeichnet die Vereinnahmung der Bürger zu Soldaten durch ihre Oberbefehlshaber. Während Oberbefehlshaber von verfeindeten Staaten im Konflikt miteinander stehen, können die Soldaten von verfeindeten Staaten Interessen teilen oder sogar keinen eigenen Konflikt miteinander haben. Stattdessen könnten Oberbefehlshaber von verfeindeten Staaten ihren Konflikt auch im Zweikampf beilegen. Sie tun dies aber nicht. Krieg ist nicht sinnlos. Kriege sind selten sinnlos. Dieser Sinn ist aber häufig widerwärtig. [1, p.31-40]
Nymoen kritisiert die Vereinnahmung der Bevölkerung durch den Staat der einen anderen angreift und durch den Staat der sich gegen einen anderen verteidigt. Entscheidend ist für Nymoen nicht die Absicht des Staats, sondern wie er hierfür mit seiner Bevölkerung umgeht. Hierbei stellt er infrage ob die negativen Konsequenzen einer Besatzung die Verluste bei einer Mobilisierung der Bevölkerung rechtfertigen. [1, p.41-47]
Dazu kommt dass Staaten Nymoen als Herrschaftsinstrumente sieht. So seien Staaten keine Dienstleister am Volk die Wohltaten gewähren. Staaten würden ihre Bürger für den eigenen Zweck nutzen. Demnach sei es kein Glück Staatsbürger zu sein sondern ein Pech. [1, p.55-68]
Kritik
Wenn Krieg die Fortsetzung von Politik mit militärischen Mitteln ist, dann ist eine Mobilisierung auch ein Mittel um den Wettbewerb um Herrschaft. Nymoen beschreibt Kritik an dieser These, welche Machtverhältnisse speziell in freiheitlichen Demokratien ausblendet. [1, p.121-125]
Herrscher? Beherrschte? Untertanen? In welchem Land lebt Herr Nymoen? Sicher nicht in der Bundesrepublik Deutschland! Natürlich möchte niemand im Krieg sterben. Aber selbstbestimmte Demokraten wollen auch nicht unter einer aufgezwungen Fremdherrschaft leben. [1, p.121]
Sicherheit vor Fremdherrschaft ist Schutz der eigenen Herrschaft? Lieber das eigene Leben retten, lieber unter fremder Herrschaft leben, als für die eigene Freiheit, Souveränität eintreten? [1, p.121]
Nymoen konzentriert sich bei der Selbstbestimmung aber nicht nur auf Wahlen sondern auch auf ökonomische Teilhabe beziehungsweise Teilhabe am Wohlstand. Und da Nymoen diese Teilhabe als unzutreffend beurteilt und nicht genügend Möglichkeit sieht dies durch Wahlen zu ändern, bemängelt er die herrschenden Machtverhältnisse. [1, p.121-125]
Nymoen beschreibt aber auch Kritik an ihn nach der er sich dem Gemeinwesen oder Gemeinwohl verweigert. Implizit wird ihm vorgeworfen sich zu bedienen ohne etwas beizutragen. [1, p.126-129][D]en Meinungsartikel kann ich auf den Kern verkürzen << Ich, Ich, Ich, Ich, Ich >> - << Die anderen? Mir egal! >> [1, p.126]
Herrschaft, Staat versus Bürger, Beherrschte. Darauf lässt sich alles reduzieren? So etwas wie Gesellschaft, Community, menschliches Wir, soziales Miteinander kommt nicht vor. [1, p.126]
Es wird als Zumutung empfunden, sich für dieses Gemeinwesen persönlich einzusetzen, obwohl wir doch alle in mehr oder weniger großem Maße von einem funktionier[en]den Gemeinwesen profitieren. Der Autor sicherlich auch. [1, p.126]
Für Nymoen stellt sich diese Frage genau andersherum. Für ihn sind es ja die Regierungen die einen Einsatz der Bevölkerung in Form des Militärdienst verlangen, aber vielen den Einsatz in Form von Sozialleistungen oder öffentlicher Daseinsfürsorge verweigern. Nymoen stellt deswegen infrage warum sich Menschen für einen Militärdienst zur Verfügung stellen sollen, wenn die Regierung diesen Dienst nicht rechtfertigt. [1, p.126-129]
Src:[1] Ole Nymoen - Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde - Gegen die Kriegstüchtigkeit - ISBN 978-3-499-01755-1
[2] Jacobin - Ole Nymoen
https://www.jacobin.de/autoren/ole-nymoen
[3] Wohlstand für Alle
https://www.youtube.com/channel/UCRprqV4FxwrWQJbZ0VLFS_g
[4] Ich, für Deutschland kämpfen? Never!
https://www.zeit.de/2024/32/wehrpflicht-deutschland-kaempfen-junge-menschen-bundeswehr
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