[Wirtschaft] Es droht eine neue Eurokrise - Bulgarien und Kroatien

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[Economics] A new Euro-Crisis is looming - Bulgaria and Croatia

Kroatien und Bulgarien sind mittlerweile dem Euro beigetreten allerdings zeichnet für beide Länder eine Wiederholung der Euro-Krise ab. Genauso wie beim letzten mal ist es die Entwicklung Preise die den Löhnen im Verhältnis zur Produktivität in den jeweiligen Volkswirtschaften die Ursache.

Die Eurozone ist von enormen Außenhandels- und Leistungsbilanzungleichgewichten geprägt. Einzelne Länder wie zum Beispiel Deutschland haben große Außenhandels- und Leistungsbilanzüberschüsse. Und andere Länder wie zum Beispiel Frankreich oder Griechenland haben große Außenhandels- und Leistungsbilanzdefizite.

Diese Außenhandels- und Leistungsbilanzungleichgewichte haben Einfluss auf die Volkswirtschaften der betreffenden Länder. Länder mit Außenhandelsüberschüssen sind zu wettbewerbsfähig und produzieren mehr als sie selbst konsumieren. Sie leben folglich unter ihren Verhälntnissen. Dazu kommt dass Außenhandelsüberschüsse zu einem übermäßigen Wachstum der industriellen Produktion führen da dessen Güter besonders mobil und daher für den Außenhandel geeignet sind.
Länder mit Außenhandelsdefiziten dagegen sind zu wenig wettbewerbsfähig und konsumieren mehr als sie selbst produzieren. Sie leben folglich über ihren Verhälntnissen. Außenhandelsdefizite führen zu einem stagnieren oder schrumpfen der industriellen Produktion da dessen Güter besonders mobil sind aber von Importen verdrängt werden. Des Weiteren führen Außenhandelsdefizite zu Finanzierungsproblemen, da mehr Geld aus dem Land abfließt als zurück.

Der Grund für diese Entwicklungen in der Eurozone sind die Eurozone und die unterschiedliche Entwicklung der Lohnstückkosten. Die Währungsunion der Eurozone bedeudet für die Mitgliedsstaaten unter anderen dass die Wechselkurse untereinander abgeschafft wurden. Folglich können die Mitgliedsstaaten die wettbewerbsfähigkeit ihrer Volkswirtschaften nicht mehr durch ein Aufwerten oder Abwerten korrigieren.
Die Lohnstückkosten sind das Verhältnis von Löhnen zu Produktivität. Die Lohnstückkosten bestimmen damit die Entwicklung der Lohnkosten und damit der Preise und damit der wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften.

Kroatien

Kroatien hat 2023 den Euro eingeführt. Die Entwicklung der Lohnstückkosten in Kroatien ist allerdings viel schneller als in der Eurozone beziehungsweise in den großen Volkswirtschaften innerhalb der Eurozone. Seit 2020 steigen die Lohnstückkosten in Kroatien jährlich um etwa 5% bis etwa 10%. Damit ist Kroatien auf dem Weg seine wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

[1, PLCD]

Die Finanzierungssalden beschreiben die Differenz der Einnahmen zu den Ausgaben eines Sektors über einen Zeitraum, in der Regel für ein Jahr. Die Sektoren sind der Staat, die Summe der inländischen Privathaushalte, die Summe der inländischen Unternehmen und das Ausland der betreffenden Volkswirtschaft als ganzes. Überschüsse bedeutet sparen des Sektors, folglich dass der betreffende Sektor der Volkswirtschaft Nachfrage entzieht. Defizite bedeutet ein sich verschulden des Sektors, folglich das der betreffende Sektor der Volkswirtschaft Nachfrage liefert.
So ist der Sektor Unternehmen also die Summe der Unternehmen in Kroatien seit etwa 2010 entweder Sparer oder neutral. Unternehmen sind weiterhin an der Produktion von Gütern beteiligt, finanziell gesehen sind die Unternehmen in Kroatien allerdings zu einer Belastung geworden. Diese Entwicklung ist aber in den meisten Ländern der Welt der Fall. In Kroatien verbleiben also nur der Staat durch Haushaltsdefizite oder das Ausland durch Außenhandelsüberschüsse um zusätzliche Nachfrage zu liefern.

[1, UVGD] [1, UBCABOP] [1, UBLC] [1, UBLH] [1, UBLGE]

Bulgarien

Bulgarien hat 2026 den Euro eingeführt. Die Entwicklung der Lohnstückkosten in Bulgarien ist ebenfalls viel schneller als in der Eurozone beziehungsweise in den großen Volkswirtschaften innerhalb der Eurozone. Seit 2022 steigen die Lohnstückkosten in Kroatien jährlich um etwa 10%. Damit ist Bulgarien ebenfalls auf dem Weg seine wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

[1, PLCD]

Auch in Bulgarien ist der Sektor Unternehmen also die Summe der Unternehmen seit etwa 2010 entweder Sparer oder neutral. Unternehmen sind weiterhin an der Produktion von Gütern beteiligt, finanziell gesehen sind die Unternehmen in Bulgarien allerdings zu einer Belastung geworden. Diese Entwicklung ist aber in den meisten Ländern der Welt der Fall. Auch in Bulgarien verbleiben also nur der Staat durch Haushaltsdefizite oder das Ausland durch Außenhandelsüberschüsse um zusätzliche Nachfrage zu liefern.

[1, UVGD] [1, UBCABOP] [1, UBLC] [1, UBLH] [1, UBLGE]

Auswirkungen

Außenhandelsdefizite führen zu einem Rückgang der Nachfrage bei den hiesigen Unternehmen und folglich zu einem Rückgang der Nachfrage beim hiesigen Arbeitsmarkt. Die natürliche Reaktion wären Haushaltsdefizite um dann die abnehmende Nachfrage im Inland zu kompensieren, denn die Defizite des Staates sind die Überschüsse der restlichen Wirtschaft. Mit der Währungsunion kommen allerdings auch dessen Defizitregeln. Wenn Kroatien oder Bulgarien also zu Haushaltsdefizite über 3% vom BIP machen um gegenzusteuern, dann geraten die Regierungen im Konflikt mit der EU.

[1, UVGD] [1, UXGS] [1, UMGS]

Fazit

Wenn sich die Entwicklung der Lohnstückkosten in Koratien und Bulgarien fortsetzt, dann ist zu befürchten dass beide Länder in deutliche wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Dmit sind die Grundlagen für eine neue Euro-Krise gelegt. Es ist aber auch zu befürchten dass genauso wie zuvor die wesentlichen Grundlagen nicht beachtet werden. Genauso wie im Falle von Griechenland wird es wahrscheinlich wieder nur um die vermeintlich schlechte Moral oder Motivation der Menschen gehen.

Src:
[1] AMECO database
https://economy-finance.ec.europa.eu/economic-research-and-databases/economic-databases/ameco-database_en

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