[Wirtschaft] Deutschlands Rezession erklärt - Möglichkeiten des Handelns

See also:
[Economics] Germany's Recession Explained - Options for Action

In diversen Ländern ist in 2020 das Wirtschafswachstum eingebrochen. Der Grund hierfür ist ein negativer Preisschock. Die so vom Preisschock betroffenen Länder müssen folglich mehr für Importe aufbringen und verlieren gleichzeitig Nachfrage und damit Beschäftigung. Die meisten der hiervon betroffenen Länder konnten diesen Preisschock jedoch überwinden. Deutschland steckt aber in seiner Rezession fest. Seit 2022 gibt es nahezu kein Wirtschaftswachstum mehr. Es drängen sich unweigerlich die Fragen auf was die betroffenen Staaten gemeinsam haben als dass sie einen vergleichbaren Einbruch in 2020 hatten und worin der Unterschied besteht als dass ausgerechnet Deutschland in Rezession verharrt. Während die Ursache für den Einbruch in 2020 über die Länder gleich ist, fällt Deutschland mit einer offensichtlich erfolglosen Politik auf.

Die Nachfragelücke

Genauso wie mehrere Länder vom negativen Preisschock getroffen wurden, genauso haben diese Länder einen Verlust an Nachfrage erlebt. Infolge verschiedener Ereignisse wurden Importe und speziell Energieimporte teurer. Die so vom Preisschock betroffenen Länder haben gleichzeitig eine gerringere Nachfrage für den Binnenmarkt, ein größerer Teil der Nachfrage für Importe gebunden wird. Dazu kommt dass die Mehrkosten nicht im gleicher Höhe als Nachfrage nach Exporten zurückfließt. Die so vom Preisschock betroffenen Länder müssen folglich mehr für Importe aufbringen und verlieren gleichzeitig Nachfrage und damit Beschäftigung.

[1, ZCPIN]
Die so vom Preisschock betroffenen Länder müssen folglich mehr für Importe aufbringen und verlieren gleichzeitig Nachfrage und damit Beschäftigung.
[1, UVGD] [1, UXGS] [1, UMGS] [1, UBCABOP]

Der negative Preisschock und den daraus resultierenden Verlust an Nachfrage für den Binnenmarkt kann man auch an der Außenhandels- und Leistungsbilanz erkennen. Die Mehrkosten für Importe und speziell für Energieimporte belasten die Importe. Die Exporte dagegen konnten nicht im gleichen Maße mit den Mehrkosten für Importe mithalten. Das Ergebnis ist ein Einbruch in den Außenhandels- und Leistungsbilanzen parallel zum Preisschock.

Möglichkeiten des Handelns

Es ist naheliegend dass die negativen Folgen des Preisschocks kompensiert werden können, wenn der Preisschock umgekehrt wird. Wenn man Importe und speziell für Energieimporte im Preis senken könnte so wie die Preise vorher gestiegen sind, dann wäre mehr wieder mehr Nachfrage für den Binnenmarkt verfügbar.
Aufgrund der Konfrontation infolge vom Krieg in der Ukraine und der Sprengung der Nord Stram Pipelines ist der Spielraum nationaler Regierungen allerdings gering. Eine Umkehrung des negativen Preisschocks ist folglich eher unwahrscheinlich.
Unabhängig davon hat Deutschland vor und nach dem negativen Preisschock ein Außenhandels- und Leistungsbilanzüberschuss. Deutschland ist also trotz Mehrkosten für Importe und speziell für Energieimporte wettbewerbsfähig.

Die Verringerung der Kosten für Importe und speziell für Energieimporte ist aber für Wirtschaftswachstum nicht zwingend notwendig. Die durch den Preisschock verursachte Mangel an Nachfrage kann ersetzt werden.

Die Verringerung der Kosten für Importe und speziell für Energieimporte ist aber für Wirtschaftswachstum nicht zwingend notwendig. Die durch den Preisschock verursachte Mangel an Nachfrage kann ersetzt werden. Wirtschaftswachstum oder gar Vollbeschäftigung bedürfen nicht einem maximalen Preis für Energieträger. So wie Arbeitslosigkeit ein Mangel an Nachfrage nach Arbeit ist, so kann mit mehr Beschäftigung auch mehr erwirtschaftet werden. Unweigerlich stellt sich die Frage wie das Angebot an erwerbslosen Erwerbstätigen und das Ziel nach Wirtschaftswachstum miteinander vereint werden können.

Letzlich muss sich immer jemand verschulden, um die zukünftigen Ersparnisse und das nominale Wachstum.

Tatsächlich kann der Staat durch mehr Ausgaben als Einnahmen Nachfrage in die Volkswirtschaft geben. Nachfrage ist jedoch das Ergebnis davon dass mit Geld Waren oder Dienstleistungen erworben werden und dies Arbeitsplätze voraussetzt. Neues Geld entsteht, wenn sich jemand verschuldet. Und systematisch gibt es keinen Unterschied zwischen Vollbeschäftigung weil sich Unternehmen für Investitionen sowie Konsum verschulden oder das der Staat sich verschuldet und so Investitionen sowie Konsum bewirkt. Letzlich muss sich immer jemand verschulden, um die zukünftigen Ersparnisse und das nominale Wachstum.

Folglich ist es naheliegend, dass der Staat die Nachfrage kompensiert die in der Privatwirtschaft fehlt. Für diese Form der Nachfragepolitik muss der Staat dann mehr Ausgeben als er einnimmt. Einen direkten Einfluss haben Steuererleichtungen also die Verringerungen der Einnahmen. Bei gleichbleibenden Ausgaben ergibt sich dann ein Haushaltsdefzit des Staates und dieses Haushaltsdefzit des Staates ist der Überschuss der Privatwirtschaft. Es ist jedoch notwendig dass die Steuersenkungen dort stattfinden wo die Augabequote hoch ist beziehungsweise die Sparquote gering ist. Verbrauchssteuern wie zum Beispiel die Mehrwertsteuer oder Stromsteuer sind hierfür besonders zweckmäßig, da diese ohnehin auf Ausgaben anfallen. Investitionen in zum Beispiel in Infrastruktur sind trotz des schlechten Zustandes zur Deckung der Nachfragelücke sind nur bedingt zweckmäßig, da Planung und Genehmigung den Prozess herauszögern. Investitionen in Infrastruktur können jedoch langfristig die Nachfragelücke decken und den Kollateral-Nutzen einer besseren Infrastruktur haben. Die Nachfragelücke könnte zunächst durch Steuererleichterung wie beschrieben und danach durch Investitionen in Infrastruktur gedeckt werden.

Beweis

Die Vorstellung dass der Staat sich einfach verschulden kann beunruhigend sein. Und die Behauptung dass der Staat mit dieser Verschuldung Wirtschaftswachstum schaffen kann mag unglaubwürdig klingen. Tatsächlich gibt es allerdings mehrere real existierende Beispiele für dieses Vorgehen.

[1, UBLGE]
Es gibt eine regelrechte Korrelation zwischen der höhe des Haushaltsdefizits und dem Wirtschaftswachstum.
[1, OVGD]

Infolge des Preisschock und dessen Ursachen hat die EU-Kommission zeitweise die Schuldenregeln gelockert. Diverse Euro Mitgliedstaaten haben von dieser Gelegenheit gebrauch gemacht Deutschland allerdings nicht. Von 2020 bis 2024 ist klar ersichtlich dass Frankreich, Italien und Spanien große Haushaltsdefizite hatten und das Deutschland das geringste Haushaltsdefizite hatte. Und so wie sich die Haushaltsdefizite unterscheiden haben sich auch die Wachstumsraten unterscheiden. Es gibt eine regelrechte Korrelation zwischen der höhe des Haushaltsdefizits und dem Wirtschaftswachstum. Dazu kommt dass die Inflationsraten aller dargestellten Länder nur wenig voneinander abweichen. Ein höhere Inflationsrate infolge höherer Haushaltsdefizite gab es genausowenig wie hohe Inflationsraten nur wegen Haushaltsdefiziten.

[Wirtschaft] Deutschlands Rezession erklärt - Relevantes und Mythen voneinander getrennt
[Wirtschaft] Deutschlands Rezession erklärt - Mythen und Sackgassen - 2025-11-28

Src:
[1] AMECO database
https://economy-finance.ec.europa.eu/economic-research-and-databases/economic-databases/ameco-database_en

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